Was ist eigentlich Unkraut?
Unkraut ist ein subjektiver Begriff – botanisch gibt es ihn nicht. Eine Pflanze wird zum Unkraut, wenn sie am falschen Ort wächst: Löwenzahn auf dem Rasen stört, auf der Wildblumenwiese ist er willkommen. Giersch im Staudenbeet nervt, aber seine Blätter sind essbar und vitamin-C-reich. Dennoch: In intensiv genutzten Beeten, auf Wegen und in Pflasterfugen müssen unerwünschte Pflanzen kontrolliert werden – nicht aus ästhetischen Gründen allein, sondern weil sie Kulturpflanzen Wasser, Licht und Nährstoffe streitig machen.
Die drei Grundstrategien: Vorbeugen (Unkraut gar nicht erst keimen lassen), Unterdrücken (durch Mulch, Bodendecker) und Beseitigen (mechanisch, thermisch). Auf chemische Herbizide sollte im Hausgarten grundsätzlich verzichtet werden – sie schädigen das Bodenleben, gelangen ins Grundwasser und sind auf versiegelten Flächen sogar gesetzlich verboten.
Vorbeugung: Unkraut erst gar nicht wachsen lassen
Die effektivste Strategie ist, dem Unkraut keine Chance zu geben:
- Mulchen: Eine 5 bis 8 cm dicke Mulchschicht (Rindenmulch, Holzhäcksel, Stroh, Kompost) blockiert Licht und verhindert die Keimung der meisten Unkrautsamen. Die wirksamste und umweltfreundlichste Methode.
- Bodendecker pflanzen: Dichte Pflanzenteppiche lassen kein Unkraut durch. Pachysandra, Waldsteinie, Storchschnabel, Immergrün (Vinca) oder Thymian-Rasen bilden innerhalb von 1 bis 2 Jahren geschlossene Flächen.
- Eng pflanzen: Je dichter die Kulturpflanzen stehen, desto weniger Platz bleibt für Unkraut. Im Gemüsebeet: Schnelle Zwischensaaten (Radieschen, Kresse) füllen Lücken.
- Unkrautvlies: Unter Kiesbeeten, Terrassen und Pflasterungen. Lässt Wasser durch, aber kein Licht an den Boden. Nicht unter Pflanzungen – es behindert das Bodenleben und die Wurzeldurchlüftung.
Mechanische Unkrautbekämpfung
Jäten und Hacken
Die älteste und direkteste Methode. Wichtig: Unkraut jäten, bevor es blüht und Samen bildet. Ein einziger Löwenzahn produziert bis zu 5.000 Samen, ein Hirtentäschel bis zu 40.000 – jede verhindertes Blühen spart jahrelange Jätarbeit. Jäten nach Regen, wenn der Boden feucht ist – die Wurzeln lassen sich dann komplett herausziehen. Hacken bei trockenem Wetter – die abgetrennten Pflänzchen vertrocknen auf der Oberfläche.
Pendelhacke und Schuffel
Die effektivsten Werkzeuge für die Unkrautbekämpfung in Beeten. Die Pendelhacke (Oszillationshacke) schneidet beim Vor- und Rückwärtsbewegen die Unkräuter knapp unter der Erdoberfläche ab. Die Schuffel (auch: Ratschiller) wird stoßend über den Boden gezogen. Beide Werkzeuge arbeiten schnell und schonend für den Rücken – der aufrechte Stand macht stundenlanges Arbeiten möglich.
Fugenkratzer
Speziell für Pflasterfugen: L-förmige oder gekrümmte Klingen kratzen Moos und Unkraut aus den Fugen. Regelmäßig anwenden (alle 2 bis 4 Wochen in der Wachstumssaison), bevor das Unkraut sich festsetzt. Ergänzung: Fugensand oder polymeren Fugenmörtel nach dem Kratzen einfegen – verdichtet die Fugen und erschwert die Neuansiedlung.
Thermische Unkrautbekämpfung
Abflammen mit einem Gas-Abflammgerät zerstört die Zellstruktur der Unkräuter durch kurzzeitige Hitze (1.000+ Grad). Kurz darüberstreichen reicht – das Unkraut muss nicht verbrennen, sondern nur welken. Vorteile: Schnell, chemie-frei, auf versiegelten Flächen erlaubt (im Gegensatz zu Herbiziden). Nachteile: Gas-Verbrauch, Brandgefahr bei Trockenheit, keine Tiefenwirkung (Wurzelunkräuter treiben wieder aus). Am effektivsten bei Samenunkräutern und in Pflasterfugen.
Heißwasser-Unkrautvernichtung: Kochendes Wasser über Pflaster- und Wegeunkräuter gießen – wirkt ähnlich wie Abflammen, aber ohne Brandgefahr. Kann auch die Wurzeln erreichen. Einfach und kostengünstig, aber zeitaufwendig bei großen Flächen.
Die hartnäckigsten Unkräuter und ihre Bekämpfung
- Giersch: Vermehrt sich über unterirdische Ausläufer. Regelmäßiges Abschlagen der Blätter erschöpft die Pflanze über 2–3 Saisons. Wurzelsperre (30 cm tiefe Rasenkante) verhindert die Ausbreitung. Alternative: Akzeptieren und essen (Smoothies, Salate, wie Spinat verwenden).
- Quecke: Aggressives Graswurzel-Unkraut. Jede Wurzelfragment treibt neu aus. Systematische Entfernung: Beet ausheben, Wurzeln aus der Erde sortieren (sog. „Spaghetti-Methode"). Alternativ: 3 Monate mit schwarzer Folie abdecken – die Quecke stirbt lichtlos ab.
- Ackerschachtelhalm: Tiefe Wurzeln (bis 2 m!), resistent gegen fast alles. Zeigerpflanze für saure, verdichtete Böden. Bodenverbesserung (Kalk, Drainage) hilft langfristig. Regelmäßiges Abschneiden schwächt die Pflanze über Jahre.
- Brennnessel: Nährstoffanzeiger, ökologisch wertvoll (Futterpflanze für Schmetterlingsraupen). Wenn möglich eine Ecke für Brennnesseln freihalten. Wo nicht erwünscht: Wurzeln ausgraben – sie bilden flache Ausläufer, die sich gut herausziehen lassen.
Unkraut auf Wegen und Pflasterflächen
Auf versiegelten Flächen ist die Anwendung von Herbiziden generell verboten (Pflanzenschutzgesetz – das Mittel kann nicht im Boden abgebaut werden und gelangt ins Abwasser). Erlaubte Methoden: Fugenkratzer, Abflammen, Heißwasser, Hochdruckreiniger. Vorbeugend: Polymerer Fugenmörtel statt losem Fugensand, regelmäßiges Fegen (verhindert Humusansammlung in den Fugen).