Die Faszination des Steingartens
Ein Steingarten imitiert die Landschaften der Alpen und Gebirgszüge: Felsen, Schotterfelder und karge Böden, aus denen zähe Polsterpflanzen in leuchtenden Farben blühen. Die Kombination aus Stein und Pflanze erzeugt eine besondere Ästhetik – reduziert, naturhaft und gleichzeitig überraschend bunt. Ein Steingarten ist keine Schotterwüste, sondern ein lebendiges Biotop, das Wildbienen, Eidechsen und Schmetterlingen Lebensraum bietet.
Der praktische Vorteil: Ein gut angelegter Steingarten gehört zu den pflegeleichtesten Gartenformen überhaupt. Alpine Pflanzen brauchen wenig Wasser, keinen Dünger und kaum Schnitt. Die Steine speichern Sonnenwärme und geben sie nachts an die Pflanzen ab – ein Mikroklima-Effekt, der empfindlichere Arten schützt und das Aroma von Kräutern intensiviert.
Standort und Ausrichtung
Der ideale Steingarten liegt in voller Sonne – am besten an einem leichten Süd- oder Südwesthang. Natürliches Gefälle unterstützt die Drainage, die für alpine Pflanzen essenziell ist. Staunässe ist der größte Feind aller Steingartenpflanzen – ihre Wurzeln verfaulen bei dauerhafter Nässe. Ein flaches Grundstück lässt sich mit einer 30 bis 50 Zentimeter hohen Aufschüttung aus Schotter und Steinen in eine Hügellandschaft verwandeln.
Vermeiden Sie Standorte unter großen Laubbäumen: Herabfallendes Laub bedeckt die Polsterpflanzen und fördert Fäulnis. Auch Tropfwasser von Baumkronen hält den Boden zu feucht. Ein freier, sonniger Platz – auch an einer Böschung, einer Mauer oder als erhöhtes Beet auf der Terrasse – ist ideal.
Aufbau und Drainage
Der Untergrund muss wasserdurchlässig sein. Bei schweren Lehmböden graben Sie 30 Zentimeter tief aus und füllen 20 Zentimeter grobem Schotter (Körnung 16/32) als Drainageschicht ein. Darüber kommt das Pflanzsubstrat: Eine Mischung aus 50 Prozent grobem Kies oder Splitt, 30 Prozent Gartenerde und 20 Prozent Sand. Kein Kompost – alpine Pflanzen mögen magere Böden. Zu nährstoffreiches Substrat lässt sie mastig wachsen und macht sie anfällig für Krankheiten.
Setzen Sie die Steine zuerst: Große Brocken zu etwa einem Drittel im Boden versenken, so dass sie natürlich gewachsen wirken. Steine derselben Gesteinsart verwenden – ein Durcheinander verschiedener Steine wirkt unruhig. Die Steine sollten leicht nach hinten geneigt sein (5 bis 10 Grad), damit Regenwasser an ihnen abläuft und zwischen die Pflanzen sickert statt darüber zu fließen. Zwischen den Steinen Spalten und Hohlräume lassen, in die Pflanzen gesetzt werden können.
Die besten Steingartenpflanzen
- Blaukissen (Aubrieta): Üppige blau-violette Polster im April/Mai. Ideal für Mauerkronen und Felsspalten. Nach der Blüte leicht zurückschneiden für kompakten Wuchs.
- Polsterphlox (Phlox subulata): Dichte Blütenteppiche in Rosa, Weiß, Lila. Bodendeckend, immergrün, anspruchslos.
- Hauswurz (Sempervivum): Sukkulente Rosetten in hunderten Formen und Farben. Praktisch unzerstörbar, übersteht Hitze, Kälte und völlige Trockenheit.
- Steinbrech (Saxifraga): Namensgebend: wächst förmlich aus dem Stein. Hunderte Arten von winzigen Polstern bis zu lockeren Rosetten. Blüten in Weiß, Rosa, Gelb.
- Grasnelke (Armeria): Kugelförmige Blütenköpfe über grasartigen Polstern. Blüht von Mai bis Juli in Rosa oder Weiß. Extrem winterhart.
- Enzian (Gentiana): Das leuchtende Blau der Alpen. Frühjahrsblüher (G. acaulis) und Herbstblüher (G. sino-ornata). Braucht kalkfreien, leicht feuchten Boden.
- Thymian (Thymus): Kriechende Sorten (T. serpyllum) als Bodendecker zwischen Steinen – duftet bei jedem Tritt. Bienenmagnet.
- Zwergkiefer (Pinus mugo 'Mops'): Kompakter Nadelbaum, der dem Steingarten Höhe und Ganzjahresstruktur verleiht. Wächst nur 3 bis 5 cm pro Jahr.
Ergänzen Sie mit Frühjahrs-Blumenzwiebeln: Wildtulpen (Tulipa tarda), Traubenhyazinthen, Zwergnarzissen und Krokusse sorgen für den ersten Farbtupfer im Jahr.
Pflege
Steingärten brauchen minimale Pflege: Im Frühjahr Laub und abgestorbene Pflanzenteile entfernen. Unkraut zwischen den Steinen auszupfen, solange es klein ist. Bei längerer Trockenheit im Hochsommer gelegentlich wässern – die meisten Steingartenpflanzen sind jedoch erstaunlich trockenheitsresistent. Nachsplittern: Jährlich eine dünne Schicht feinen Kies oder Splitt zwischen die Pflanzen streuen – das hält den Wurzelhals trocken und unterdrückt Unkraut. Kein Düngen! Nährstoffreichtum ist der Feind des Steingartens.
Steingarten vs. Schottergarten
Ein echter Steingarten hat mit dem viel kritisierten Schottergarten nichts gemein. Schottergärten bestehen aus grauem Kies auf Unkrautvlies – ökologisch wertlos, hässlich veralgend und in vielen Gemeinden inzwischen verboten. Ein Steingarten enthält maximal 50 Prozent Steinfläche und mindestens 50 Prozent Bepflanzung, bietet Lebensraum, speichert kein Wärmestau und ist ganzjährig attraktiv.